Die „Hahle-Buwe“
Den meisten jungen Lampertheimer Ringsportanhängern wird dieser Begriff wohl nichts
mehr sagen. Vor dem 2. WK und lange Zeit danach, wußte man weit und breit Bescheid,
daß die „Hahle-Buwe" eng mit der Lampertheimer Schwerathletik verbunden und
ausgezeichnete Ringer waren.
Zimmermeister Hermann Friedrich Hahl (1884-1952), wohnte in der Wormserstraße 24,
hatte fünf Söhne und eine Tochter. Hahl trat schon frühzeitig beim St.u.R.CI. ein,
wechselte aber später zu den „Freien". Drei seiner Söhne eiferten ihrem Vater nach und
begannen ebenfalls mit der Schwerathletik bei den „Freien". Es waren dies Georg
(1904-1985), Fritz (1907-1945 in Gefangenschaft verstorben) und Hermann (1914-1992).
Die Söhne Wilhelm und Heinrich spielten Fußball oder turnten. Die Gebrüder Hahl waren
starke und technisch geschulte Ringer, holten viele Kreis- und Gaumeisterschaften nach
Lampertheim und waren deshalb auch gefürchtet.
Der Mythos der „Hahle-Buwe" muß wohl 1937 entstanden sein. In diesem Jahr kehrte die
polnische Nationalstaffel von den Europameisterschaften aus Paris zurück. Auf dem
Rückweg führten die Polen einige Kämpfe mit deutschen Ringern aus, darunter auch in
Lampertheim. Während eines Kampfabends des St.u.R.CI: gegen eine Wormser Staffel,
traten Adam Eichenauer, Georg Hahl und Fritz Hahl gegen die jeweiligen polnischen
Meister ihrer Gewichtsklasse an. Adam Eichenauer mußte sich dem späteren deutschen
Bundestrainer Jean Foeldeak nach Punkten beugen. „De Hahle Schorsch" konnte seinen
Gegner nach Punkten besiegen, „de Hahle Fritz" seinen Gegner gar schultern.
Der Rheingold stand Kopf.
Die einzige Tochter Tilly von Vater Hahl sorgte auch für die Ringer. Sohn Horst Jocher
und Enkel Markus Jocher standen viele Jahre dem ASV 04 als Ringer zur Verfügung.
Der Sohn von Fritz Hahl, Hans Hahl, war aktiver Gewichtheber und ist heute noch als
Kassier mit dem ASV 04 verbunden.
Zimmermeister Hermann Friedrich Hahl 1884-1952
Georg Hahl 1904-1985
Fritz Hahl 1907-1945
Hermann Hahl 1914-1992
Der ASV 04 in der Bildzeitung
Das Ruhmesblatt der Deutschen Presse, die „Bild-Zeitung", ist immer für eine bestimmte Art von Schlagzeilen gut. Diese Erfahrung konnte auch der ASV 04 in den Jahren 1988 und 1991 machen. Was war geschehen? Die Ringer Peter Stark und Bernhard Brucker aus Wiesenthal wechselten 1988 zum ASV 04. Dem Wiesenthaler Trainer Gehrig war das natürlich nicht recht und er wandte sich, warum auch immer, an die Bildzeitung. Lampertheim wirft mit den Geldscheinen nur so um sich, meinte damals „Bild". Nur, die Wiesenthaler Bundesligamannschaft war angeschlagen und auf Grund besserer Perspektiven wechselten die beiden Athleten nach Lampertheim. „Bild" und Wiesenthal verrieten natürlich nicht, daß Stark und Brucker, von ihnen aus der Talentschmiede Malsch geholt wurden.
1991 fand im Rahmen der Bundesligarunde der Kampf AC Reilingen gegen ASV 04 Lampertheim statt. Der Kampfleiter war allerdings nicht der Beste. Fehlentscheidung nach Fehlentscheidung wurde von ihm getroffen. Unschöne Szenen waren darauf in der Reilinger Sporthalle zu sehen. Thomas Horschel begann mit einem Sitzstreik, dem sich die restliche ASV- Staffel anschloß. Nach einigen Verhandlungen wurde der Kampf unter Eingabe eines Protestes fortgesetzt. Lampertheim verlor natürlich diesen ominösen Kampf. „Bild" titulierte: Lampertheimer Ringer verweigern ihren Sport. Glücklicherweise wurde an diesem Abend ein Videofilm aufgenommen, der bei der folgenden Verhandlung am Sportgericht als Beweis diente. Dem Kampfrichter wurde die Leitung des Rückkampfes verweigert, doch die Fehlentscheidungen wurden als Tatsachenentscheidung gewertet. Der Kampf blieb verloren.
Wilfried Dietrich in Lampertheim
Wieso erscheint Wilfried Dietrich in der Chronik des ASV 04 Lampertheim,
diese Frage werden sich sicher einige stellen.
Wilfried Dietrich stammt aus Schifferstadt in der Pfalz. Dort ging er mit dem
Jugendringer Jakob Schehlmann in die Schule. Obwohl Dietrich groß und stark
war, hatte er in freundschaftlichen Rangeleien nie eine Chance gegen Schehlmann.
Dies war der Grund, sich ebenfalls den Schifferstädter Ringern anzuschließen.
Mit 18 Jahren konnte er sich zusammen mit Schehlmann für die Deutschen
Jugendmeisterschaften qualifizieren, die 1951 in Lampertheim stattfanden.
Unter 15 Teilnehmern wurde Jakob Schehlmann 2. und Wilfried Dietrich, der spätere
„Kran von Schifferstadt", wurde sage und schreibe 8. Deutscher Jugendmeister.
Ab Lampertheim begann dann eine traumhafte Ringerkarriere. Schon 1955 war er
Deutscher Meister bei den Senioren in beiden Stilarten. Insgesamt wurde er 30 mal
Deutscher Meister, war Europameister, Weltmeister und Olympiasieger. Bis 1974
konnte ihn kein deutscher Ringer besiegen.
Nebenbei war er auch schon Deutscher Meister im Gewichtheben. 1972 startete er
nochmals im Alter von 39 Jahren bei den Olympischen Spielen in München. Viele
werden sich noch an den Kampf gegen den Koloß Taylor aus den USA erinnern.
Auch ein Lampertheimer mußte schon die Überlegenheit Dietrichs anerkennen.
Fritz Krämer hatte ihn zweimal zum Gegner. Beim ersten Kampf mußte er verletzt
aufgeben und beim zweiten unterlag er dem Kran. Dietrich, Jahrgang 1933, starb
1992 an einem Herzinfarkt in seiner Wahlheimat Südafrika.
. Olympiasieger 1956 in Melbourne
Der Bär von Bellenbergft zu Gast in Lampertheim
Paul Blüm sen. zog Mitte der 60er Jahre von Frankenthal nach Lampertheim. Als Ringer
und Gewichtheber schloß er sich sogleich dem ASV 04 an. Da es damals in Lampertheim
kaum Gewichtheber gab, kämpfte er in der Ringerstaffel des ASV im Halbschwer - und
Schwergewicht.
In diesen Jahren machte ein junger Gewichtheber Schlagzeilen. Rudolph Mang, gen. der
„Bär von Bellenberg", hielt alle Jugend- und Juniorenweltrekorde und war die Hoffnung
der Deutschen für die Olympischen Spiele 1972 in München.
Paul Blüm sen. Gewichtheber und selbstständiger Metzgermeister, unterstützte diesen
Hoffnungsträger u. a. mit Naturalien. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft und der
„Bär" besuchte 1970 auf Einladung Blüms, Lampertheim und den ASV.
Im Gasthaus Wacker fand dann ein Empfang mit Autogrammstunde statt. Auch während
den Tagen beiPaul Blüm in Lampertheim erledigte er sein Trainingspensum. Der "Bär"
wurde 1972 in München Silbermedaillen-Gewinner.
1. Vors. Jakob Köcher im Gespräch mit Rudolph Mang
Gürol Kaplan
Kaplan, mehrfacher Türkischer Meister und 2.Europameister, startete
von 1987-90 für den ASVLampertheim. Ein Ringer der Freistil beherrschte,
allein seine Kämpfe waren das Eintrittsgeld wert. In Deutschland konnte er
nur einmal besiegt werden und zwar von Martin Knosp, dem ehemaligen
Weltmeister.
Bedingt durch die Ausländerklausel, waren seine Starts aber viel zu selten.
Seine Bemühungen einen Deutschen Paß zu erhalten, scheiterten mehrmals.
Wenn Kaplan in Lampertheim weilte, fielen seine modische Kleidung und die
Begleitung junger hübscher Damen stets auf.
1996 sorgte er allerdings für negative Schlagzeilen. Kaplan stand unter
Mordverdacht. Er wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt. Was war
geschehen? Kaplan's Freundin trennte sich von ihm und hatte einen neuen
Freund. Aus Eifersucht gab er einem Landsmann den Auftrag beide zu töten.
Der neue Freund seiner Ex-Freundin wurde erschossen und sie selbst
schwer verletzt.
Gürol Kaplan
Kleine Geschichten I
Der „Bantamgewichtsmister'
Am 08. 03.1937 wurde Adam „Atzel" Müller als Deutscher Meister im Ringen in
Lampertheim empfangen. Dazu erschienen natürlich die Ringsportanhänger,
verschiedene Vereine und Schulklassen, die von ihren Lehrern hingeschickt wurden.
Der Schuljahrgang 1926 von Lehrer Moos mußte über diesen Empfang einen
Aufsatz schreiben. Einem 1- jährigen Jungen unterlief bei diesem Aufsatz ein kleiner
aber entscheidenden Fehler.
Als er sein Werk in der Schule vorlesen mußte, war die Lacherei groß. Statt
Bantamgewichtsmeister schrieb er „Bantamgewichtsmister". Er hatte damit sofort seinen
Spitznamen weg und bekam außerdem von Lehrer Moos den Hosenboden versohlt.
Die Fahrt nach Frankfurt
1947 hatte der ASV 04 Lampertheim eine ausgezeichnete Jugendmannschaft.
Sie galt als eine der Favoriten für die in Frankfurt stattfindenden Hessischen
Meisterschaften. Gemüsehändler Franz Steffan stellte für die Fahrt seinen LKW
mit Holzvergaser zur Verfügung. Als Sprit stiftete er noch eine Ladung Stroh.
Bei Darmstadt war allerdings der Holzvergaser nicht mehr zufrieden mit dieser
Art von Sprit und streikte. Die Mannschaft mußte umkehren, kam aber nach
oftmaligem Putzen des Holzvergasers wieder in Lampertheim an.
Willi gegen Willi
1971 fanden in Ladenburg die Kreismeisterschaften der Senioren im gr.-röm. Stil statt.
Darunter befanden sich auch etliche Teilnehmer aus Lampertheim. Als gegen Abend
die Endkämpfe begannen, wurde folgende Paarung im Leichtgewicht aufgerufen.
Willi Freitag (ASV 04) gegen Willi Samstag (SRC Viernheim).
Die Zuschauer brachen in Gelächter aus. Der Kampf endete unentschieden und Willi
wurde Kreismeister.
Hans Kleber und die VW-Heizung
1958 fand ein Freundschaftskampf des ASV 04 Lampertheim in Zirndorf bei Nürnberg
statt. Hans Kleber fuhr mit Karl Hannewald in dessen VW-Käfer mit. Kurz nach der
Abfahrt streikte der Regulierungsmechanismus der Heizung. Dieser war beim alten VW-
Käfer ein Seilzug, der bei vielen VW's schon Schwierigkeiten bereitet hatte.
Die Heizung des Autos ließ sich nicht mehr ausschalten und die Sonne schien
unbarmherzig vom Himmel. Trotz geöffneter Fenster, schwitzte Schwergewichtler
Hans Kleber aus allen Poren. Zur Abkühlung ließ er während der Fahrt seine Beine aus
dem Fenster baumeln. Dies brachte zwar etwas Linderung, führte aber auch zu einem
Sonnenbrand, der ihn beim Ringen stark behinderte.
Die Frotzelei seiner Mannschaftskameraden war ihm sicher.
Kleine Geschichten II
Karl Walter und der Apfel
1964 fanden in Hanau die Süddeutschen Meisterschaften der Schüler statt. Auch der
ASV beteiligte sich mit einigen jungen Athleten an diesem Turnier. Karl Walter, damals
der beste Schülerringer, hatte schon eine Woche vorher leichte Gewichtsschwierigkeiten.
Deshalb riet ich ihm, statt eine Scheibe Brot mit Wurst oder gar Süssigkeiten, doch lieber
einen Apfel zu essen. Ich versuchte ihm klarzumachen, daß man mit dem Essen von
Obst abnehmen kann.
Beim Probeabwiegen in Lampertheim war Karl Walter etwa 50 Gramm zu schwer. Dieses
Übergewicht hätte er sicherlich während der Fahrt nach Hanau verloren. „Karle" erinnerte
sich daran, daß man mit Äpfeln abnehmen kann. Still und leise aß er einen Apfel.
Bei der Kontrolle seiner Verpflegung, stellte man fest, daß ein Apfel dieser Art mindestens
250 Gramm wog. Beim Abwiegen in Hanau war Karl natürlich zu schwer und mußte in
einer höheren Gewichtsklasse starten.
Trotzdem konnte Karl Walter noch 3. Süddeutscher Schülermeister werden.
Ein Weltmeister begann mit Unterhosen
Als 1963 im „Roxy" neu mit der Schülerarbeit begonnen wurde, waren auch die Gebrüder
Rainer, Günter und Wolfgang Richter mit dabei. Zuhause war noch ein weiterer Bruder,
der noch im Kindergartenalter war, aber unbedingt mit seinen größeren Brüdern in das
Ringertraining gehen wollte.
Da Jürgen Richter noch nicht zur Schule ging, besaß er anfangs auch keine Sportkleidung.
Er trainierte in langen Unterhosen mit. Jürgen Richter hatte längere blonde Haare und ein
liebliches Kindergesicht. Daß aus diesem Knirps mit Engelsgesicht in langen Unterhosen
einmal ein Weltmeister im Halbschwergewicht wird, hätte zu dieser Zeit niemand zu träumen gewagt.
Der Anti-Sprinter
Wegen der besseren Parkmöglichkeiten trafen sich die Ringer in der Peterstraße
am Rheingold zur Abfahrt bei Auswärtskämpfen. Fast alle Teilnehmer der Fahrt
waren schon einige Minuten vor dem Abfahrtstermin dort. Nur ein Athlet spannte
die Gruppe immer wieder auf die Folter. Rüdiger Haffner, in Ringerkreisen auch
„Calypso" genannt, war auf die Sekunde pünktlich.
Mit dem Glockenschlag kam er ganz gemütlich um die Ecke gelaufen.
Seine Schrittgeschwindigkeit war dabei kaum zu unterbieten. Angesprochen,
warum er uns immer warten lassen würde, sagte er:
„Was wollt ihr denn, ich bin doch pünktlich"
Der „Hitzeblitz®
Über Fritz Krämer gäbe es viele Geschichten zu erzählen. Bei Ringkämpfen kam
es durchaus vor, daß Streitigkeiten im Saal entstanden. In den 50-er-Jahren war
Fritz Krämer ein junger, kerniger Athlet, der wegen seiner Stärke dabei oft im
Rampenlicht stand. So hielt er schon mal einen aufmüpfigen Zuschauer zum Fenster
hinaus oder setzte einen Nörgler auf einen warmen Ofen.
1962 hatte Lampertheim einen Verbandskampf in Heidelberg-Rohrbach auszutragen.
Schon während des Kampfes im Schwergewicht, beharckten sich Fritz Krämer und
sein Gegner. Unter der anschließenden Dusche ging das Gezäncke der Beiden weiter.
Als Fritz Krämer auf seinen Gegner zuging, flüchtete dieser aus Angst nackt aus
der Dusche. Fritz nicht bange und ebenfalls im Adams-Kostüm, verfolgte ihn bis in den
Hof des Anwesens, konnte ihn aber nicht erwischen. Wohin der Rohrbacher in seiner
Nacktheit flüchtete, kann nicht gesagt werden, er wurde an diesem kalten Winterabend
von den Lampertheimern nicht mehr gesehen.
„Reichsadler* 1951, Fritz Krämer (Lampertheim) gegen Becker, Ladenburg
Willis Versprechen
Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1975 in Bad Reichenhall
gab ich einem kleinen Nachwuchsringer ein Versprechen, das ich bis
heute nicht eingelöst habe.
Der kleine Sigges, (13 Jahre) erst 2 Jahre bei den Ringern dabei,
schaffte es bis ins Finale. „Wenn du heute Deutscher Meister wirst nehme,
ich dich mit in den Puff“ war mein Versprechen.
Er schaffte es und ich hatte ein Problem. Sein Vater war der Busfahrer
unserer Reise. Ich konnte seinen erwartungsvollen Blick nicht befriedigen.
Immer wieder forderte er die Einlösung meines Versprechens.
Als er damit aufhörte ,fragte ich ihn ob er von mir enttäuscht wäre.
Seine Antwort war „Hab das jetzt selbst in die Hand genommen.“
Der kleine Sigges